Private Schildkrötenstation Meerbusch

Allgemeine Haltungsansprüche

Gewöhnliche Schnappschildkröte (Chelydra serpentina)

Parameter für die Haltung im Freiland, Wintergarten und Aquarium

Größe von Aquarium und Teich:

Da die Tiere sehr groß werden, benötigen sie sehr geräumige Aquarien. Eine Grundfläche von mindestens 1,5 m² sollten nicht unterschritten werden.

Teiche sollten für ein Tier mindestens 2,0 m³ Wasservolumen aufweisen und flach zulaufende Ufer aufweisen.

Wasserstand:

Im Aquarium sollte der Wasserstand so hoch gewählt werden, wie die aktuelle Panzerbreite des Tieres mal 2!

Im Teich kann der Wasserstand beliebig sein, sollte aber auch tiefen von mindestens 0,80 Metern aufweisen. 

Heizung:

Für Chelydra serpentina ist keine Heizung erforderlich. Ausnahme die Tiere werden in ungeheizten Räumen gehalten.
Die Wassertemperatur sollte tagsüber zwischen 20°C und 28°C liegen. Im Sommer kann die Wassertemperatur auch kurzfristig auf 30°C anstiegen. Werden die angegebenen Temperaturen nicht erreicht muss mit einem Aquarienheizstab nachgeholfen werden.

Zu einer artgerechten Haltung von Schildkröten gehören Temperaturschwankungen, die einen Tag-/ Nachtrythmus simulieren und die Simulation eines Jahresrhythmus.
Tag- / Nachtrythmus:
Die Temperatur sollte nachts um 2°C bis 4°C abfallen, um tagsüber wieder etwas anzusteigen. Die Simulation eines Tag- / Nachtrythmus fördert das Immunsystem der Schildkröte. Wenn sie das ganze noch steigern wollen, sollten sie hin und wieder mal für einen Tag die Wärmelampe auslassen und so einen Schlechtwettertag simulieren.
Jahresrhythmus:
Das nachahmen der Jahreszeiten, mit fallenden Temperaturen im Herbst
(von über 20°C auf 12°C innerhalb von ca. 2 Monaten),
kalten Temperaturen im Winter
(Winterruhe bei 10°C bis 2°C für 2 bis 4 Monate),
steigenden Temperaturen im Frühling
(10°C bis über 20°C innerhalb von 1 bis 2 Monaten)

und hohen Temperaturen im Sommer
(von 20°C bis 28°C für 4 bis 6 Monate,
kurzfristig darf die Temperatur +/- 30°C betragen)
.
Das sich diese Temperaturänderungen langsam und über mehrere Wochen hinziehen müssen, sollte jedem Halter klar sein! Am besten sie richten sich nach unseren Jahreszeiten und legen den Sommer ihrer Schildkröten auch in unseren Sommer und den Winter in unseren Winter!

In der Rubrik: Klimaübersicht finden sie Jahresdurchschnittstemperaturen aus den Gegenden, wo Chelydra serpentina (Gewöhnliche Schnappschildkröte) vorkommt!

Beleuchtung:

Schnappschildkröten benötigen einen Wärmestrahler, der auf den Landteil gerichtet ist. Die Temperatur im Lichtkegel des Strahlers sollte zwischen 35°C und 40°C liegen. Zusätzlich sollte man einen Strahler verwenden der UV-B abgibt.

Für die weitere Beleuchtung (Tag- / Nachtrythmus) kann man Vollspektrum-Neonröhren oder Vollspektrum- Energiesparlampen verwenden.
Passen sie auch die Beleuchtung dem Jahresrythmus an! Das heißt, dass im Sommer (Juni, Juli) die Beleuchtung etwa 14 Stunden täglich brennt und während der Winterruhe komplett ausgeschaltet ist.

 Monat Jan. Feb. Mär. Apr. Mai Jun. Jul. Aug.Sep.  Okt.Nov. Dez. 
 Beleucht. 0 Std. 2 Std. 6 Std.8 Stdt.  10 Std. 14 Std. 14 Std. 10 Std. 8 Std. 6 Std. 4 Std. 0 Stdt.

Passen sie den Tagesrhythmus der jeweiligen Jahreszeit an, so bereiten sich die Tiere auf natürliche Weise auf die Winterruhe vor!

Entfällt bei der Freiland- und Gewächshaushaltung

Filter:

Bei der Aquarien- sowie der Teichhaltung sind Filter fast unerlässlich, da die Tiere das Wasser stark verschmutzen. Beim Aquarium sollte man trotzdem entsprechen oft einen Teilwasser Wechsel vornehmen. Für Teiche gibt es im Fachhandel geeignete Aussenfilter oder man ist etwas handwerklich begabt und baut sich seinen Filter selber.

Landteil:

Ein Landteil darf bei dieser Art nicht fehlen, da er doch von manchen Schildkröten gerne zum ausruhen und sonnenbaden genutzt wird. Besteht der Landteil aus lockerer Erde oder Sand graben sich manche Vertreter dieser Art auch gerne schon mal ein.

Bodengrund:

Der Bodengrund sollte aus Sand oder nicht allzu groben Kies bestehen und eine entsprechende Höhe aufweisen. 10 cm bis 15 cm sind gut, damit sich auch die stark wachsenden Krallen gut abnutzen. (Krallenpflege ist bei dieser Art fast unmöglich!)

Dekoration:

Hier kann man seiner Phantasie freien Lauf lassen. Steine, Holz, Wurzeln kann man als Versteckplätze einbringen. Steinaufbauten sollten aber vor umstürzen gesichert werden!

Pflanzen:

Pflanzen kann man versuchen, sie werden aber meistens von den Tieren nach kurzer Zeit abgefressen. Am besten klappt es bei mir noch mit Muschelblume, Entengrütze und Wasserhyazinthe.

Überwinterung:

Die Überwinterung hängt ganz von der Unterart ab. Tiere aus dem nördlichen Verbreitungsgebiet können bei uns sogar im Freiland überwintert werden. Tiere aus dem Süden (besonders die Unterart: Chelydra serpentina osceola) sollten nur eine Licht und Temperatur Senkung für maximal 2 Monate erfahren.

Besonderheiten:

Weibchen unter sich lassen sich gut vergesellschaften, nur die Männchen sind untereinander und manchmal auch gegen die Weibchen sehr aggressiv. Hier wäre dann nur die Einzelhaltung zu empfehlen. Bei Gruppenhaltung muss sehr vorsichtig gefüttert werden, da sie einen sehr ausgeprägten Futterneid besitzen und es schnell zu Beissereien kommen kann.

Ernährung:

Schnappschildkröten fressen viel und verfetten daher auch leicht. Man muss immer darauf achten sie abwechslungsreich und gesund zu ernähren. Für ausgewachsene Tiere sind drei Futtergaben (Fisch, Geflügel, usw.) pro Woche völlig ausreichend. Eine Ausnahme bilden die pflanzlichen Nahrungsbestandteile sie können ruhig öfter gereicht werden wenn sie nicht gerade in der Anlage wachsen und sich die Tiere nach Belieben hier bedienen können. An getrocknetem Kot den ich bei meinen Tieren auf dem Landteil gefunden habe konnte ich feststellen, dass der pflanzliche Anteil doch relativ hoch war. Fadenalgen, Javamoos und Schilfrohr konnte man noch gut identifizieren.

Pflanzlich Kost:
Meine Schnappschildkröten können sich an dem im Wasser und am Rand wachsenden Pflanzen frei bedienen und tun dies auch im sichtbaren Masse.

Sie fressen: Löwenzahn, Schilfrohr, Igelkolben, Javamoos und Fadenalgen. Ob sie auch an die Wasserlinsen gehen, die in großen Mengen auf dem Wasser schwimmen, kann ich bis jetzt noch nicht sagen

Tierische Kost:

Ich füttere meine Tiere ausschließlich mit Geflügel und Fisch. An Fisch biete ich ausschließlich Süßwasser Fisch an, da sie von Salzwasser Fisch leicht Durchfall bekommen können. Den Süßwasser Fisch bekommen sie in allen geeigneten Größen gereicht, wobei große Fische ein bis zweimal von mir geteilt werden. Man sollte darauf achten das die Fische noch nicht ausgenommen sind weil die Innereien für sie gesund sind und eine Delikatesse darstellen. Auch den Kopf und die Gräten verfüttere ich bei diesen großen Schildkröten mit.

An Geflügel bekommen meine Tiere meist Hähnchenfleisch und deren Innereien wie Herz und Magen. Auf die Leber sollte man eher verzichten, da sie zu viel Vitamin A enthält und in größeren Mengen schädlich für die Schildkröten sein kann. Achten sie bitte bei der Gabe von Geflügel darauf, dass das Fett vorher entfernt wird da die Tiere dies nicht verdauen können.

Bei drei Futtergaben pro Woche empfehle ich einmal Fisch, einmal Geflügel und einmal Kleinsäuger (Mäuse, Ratten, Meerschweinchen, usw.). Die Menge kommt natürlich auf die Größe und Anzahl der Schildkröten an. Schnappschildkröten muss man zum füttern nicht einzeln setzten sondern kann sie auch in der Gruppe füttern.

Private Schildkrötenstation Meerbusch  |  (C) by Dirk & Roksana Nowak